Das Windkraftwerk auf (d)einem Dach

In Marthalen (ZH) steht das Pilotprojekt «WindRail», ein Minikraftwerk, das laut Klimastiftung Schweiz bald auf vielen Hausdächern Strom erzeugen könnte.

Das «WindRail» der Zürcher Firma «Anerdgy» vor seiner Montage in Marthalen. Bild: zvg

Auf den ersten Blick hat das «WindRail» wenig mit klassischen Windkraftwerken gemein. Denn Windräder sieht man keine und zudem erzeugt das sogenannte WindRail auf drei verschiedene Arten Strom: Neben dem Wind, der an der Hausfassade hochzieht, nutzt es die Sonnenenergie, die auf die Installation trifft. Zusätzlich verwertet es die Druckunterschiede an der Dachkante. Das Minikraftwerk ist ein erster Prototyp, eine zweite Version soll im Laufe des Monats Mai fertiggestellt werden.

Grosses Potenzial für die Anlage

Ziel sei es zu erreichen, dass Besitzer von Flachdachhäusern in einigen Jahren eine wirtschaftliche und ästhetische Möglichkeit hätten, einen guten Teil ihres Energiebedarfes auf diese Art zu decken, teilt dazu die Klimastiftung mit. Laut der Stiftung besteht viel Potenzial für die Anlage: Eine Marktstudie mit der Universität St. Gallen habe gezeigt, dass sich in der Schweiz etwa jedes hundertste Haus für eine Installation des «WindRail» eignen könnte. Dies gilt besonders für dicht besiedelte Gegenden mit starken Lokalwinden, etwa für die Region Basel oder für Föhntäler, wie zum Beispiel das Rheintal.

Bedürfnis und Lösung

Vater des Systems ist der Ingenieur und Ökonom Sven Koehler. Er hat das innovative Kraftwerk entwickelt und deshalb vor rund zwei Jahren die Firma «Anerdgy» gegründet. Die Inspiration für Koehlers Erfindung lieferten dessen Eltern: Sie suchten ein System, das sich auf dem Hausdach installieren lässt und sowohl aus Wind als auch aus Sonne Energie gewinnt. Allerdings wurden sie nicht fündig. „Ich habe gesehen, dass da eine Lücke besteht und begonnen, Konzepte zu entwickeln“, sagt Koehler. In der Folge listete er zuerst alle Anforderungen an die Erfindung auf. „Oft wird die Windnutzung etwas negativ angeschaut, weil es zu Schattenwurf, Lärmbelastung, einer Störung des Landschaftsbilds oder der Natur kommen kann“, so Koehler. Er suchte nach einer Lösung, die die Vorzüge von Wind und Sonne kombiniert, ohne dass sie deren Nachteile hat. Werden die drei Energiequellen miteinander kombiniert, lässt sich laut Köhler je nach Standort während bis zu 90 Prozent der Jahresstunden Strom erzeugen. Schliesslich konnte er seinen ersten Prototypen realisieren. Fachlich unterstützten ihn dabei die Fachhochschule Nordwestschweiz und drei Industriepartnern, finanziell die Klimastiftung Schweiz sowie der Klimafonds des Stadtwerks Winterthur. (mai/nge)

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